Der Wettbewerb zur Revitalisierung des prominenten Grundstücks in der Großen Freiheit 58 – 70 ist mit der Preisgerichtssitzung am 27. Juni 2016 abgeschlossen worden. Der Siegerentwurf sieht eine Teilung in einen Gewerbehof und einen Wohnhof vor, um die besonderen Bedingungen der Auslobung erfüllen zu können.

Das Preisgericht, unter Beteiligung des Oberbaudirektors, Herrn Prof. Jörn Walter, wählte den Entwurf des Architekturbüros Heyden und Hidde Architekten GbR, da die Aufteilung zwischen Wohn- und Gewerbehof die Thematik der Auslobung gut strukturiert. Die Herausforderung des Lärmschutzes für die bestehende und geplante Wohnnutzung aufgrund der Verkehrssituation und der bestehenden Gewerbenutzungen kann durch die bauliche Schließung des Gewerbehofes als schalltechnische Abschirmung gelingen.
 
Der Entwurf erfüllt die Anforderungen der Auslobung, die die Einbindung der Neubebauung in das vorhandene räumliche Umfeld, die straßenraumbildende Qualität der Bebauung, der Umgang mit dem denkmalgeschützten Bestand, die Zonierung in „laute“ und „leise“ Bereiche sowie die Erschließung und die Funktionalität der Anlieferung für das Gewerbe erfordert. Ebenso werden die Anforderungen des Gartendecks berücksichtigt, die im dem Entwurf mit einer Fläche von ca. 1.000 m² berücksichtigt werden.
 
Ziel des Wettbewerbs war es, die bisher nur teilweise genutzten Flächen zu revitalisieren und nachzuverdichten. Ferner soll im Bezirk Hamburg-Mitte das Neubauvolumen erhöht und insbesondere bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden. In dem neu entstehenden Gebäudeensemble soll eine Mischung aus Wohnen und Gewerbe entstehen, die in den denkmalgeschützten Bestandsgebäuden und Neubauten untergebracht werden sollen. Die bestehende kleinteilige Gewerbenutzung soll im Zuge der Gesamtplanung am Standort gesichert und das bisher nur temporär genehmigte „Gartendeck“ dauerhaft integriert werden. Der Anteil an öffentlich geförderten Wohneinheiten soll 100 % betragen.
 
Ausloberinnen des nicht offenen einstufigen städtebaulichen Realisierungswettbewerbs mit hochbaulichem Ideenteil ist die Sprinkenhof und das Bezirksamt Hamburg-Mitte - Fachamt Stadt- und Landschaftsplanung im Einvernehmen mit der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen, dem Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen, der Kulturbehörde - Denkmalschutzamt sowie der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation - Amt für Verkehr und Straßenwesen. Das Verfahren wurde von der D&K drost consult GmbH aus Hamburg begleitet.
 
Martin Görge, Geschäftsführer: „Wir gratulieren dem Preisträger zu dem Entwurf und hoffen, damit den Herausforderungen dieses exponierten Standortes gerecht zu werden. Die vorgeschlagene architektonische Lösung verstehen wir als Ergänzung zum bestehenden Quartier und freuen uns auf die Projektrealisierung dieses ambitionierten Projektes.“
 
Jan Zunke, Geschäftsführer: „Die Anforderungen einer wirtschaftlichen Realisierung dieses Vorhabens vor dem Hintergrund der Revitalisierung der bestehenden Gebäudesubstanz sind sehr hoch, aber im Rahmen des vorgesehenen Gesamtentwurfs darstellbar. Wir begrüßen die Entscheidung aller Beteiligten, diese bestehende Lücke im Herzen St. Paulis zu schließen.“
 
Hintergrund: Das Planareal im äußersten Westen des Stadtteils St. Pauli, in unmittelbarer Nähe zur Grenze Altonas, hat eine Größe von rund 7.000 m² und befindet sich im Eigentum der Sprinkenhof und der FHH. Das Areal ist heute durch unterschiedliche Nutzungen geprägt, die, unter Denkmalschutzaspekten oder aufgrund ihrer besonderen Nutzungshistorie, in bedeutenden Gebäuden untergebracht sind. An der Ecke Große Freiheit/Simon-von-Utrecht-Straße befindet sich das denkmalgeschützte Gebäude des Musikclubs Grünspan, der seit 1968 fester Bestandteil der Musik- und Kulturlandschaft in St. Pauli ist. Neben dem Grünspan befindet sich in dem im Jahr 1911 errichteten Gebäude der Musikclub Indra, der als Veranstaltungsort sowie der bewegten Historie – das Indra war in den 1960er Jahren der erste Auftrittsort der Beatles – einer besonderen stadtkulturellen Bedeutung zukommt. Auf dem Grundstück der Großen Freiheit 70 befindet sich das denkmalgeschützte Bestandsgebäudes der ehemaligen Fischräucherei. Ferner befindet sich straßenseitig ein eingeschossiger Neubau, der durch die Druckerei in St. Pauli genutzt wird. Zwischen dem Bestandsgebäude des Indra und der ehemaligen Fischräucherei befindet sich eine eingeschossige Tiefgarage, dessen Dachfläche durch ein temporäres urban-gardening-Projekt, dem sogenannten Gartendeck genutzt wird.