Eine schwere Choleraepidemie plagte Hamburg im Jahre 1892. Schuld waren ungesunde, nicht mehr zeitgemäße Wohnverhältnisse und gerade in der Innenstadt gab es drei völlig überbevölkerte Wohnbezirke. Die Stadt Hamburg fasste daraufhin den Beschluss, die Verhältnisse zu verbessern und große Teile der Wohngebiete nach und nach abzubrechen, sodass eine optimierte Wohn- und Arbeitssituation entstehen konnte. In 1914 war die Sanierungs- und Umbauplanung für die südliche Neustadt, sowie Teile der östlichen Altstadt beendet. Diese umfassten auch den Bereich, auf dem heute das Kontorhausviertel steht.

Bei der Sanierung der südlichen Neustadt war man bestrebt, das Bestehende möglichst zu erhalten und sie langsam durchzuführen, um der ansässigen Bevölkerung zu ermöglichen, ihre Wohnstätten dort zu behalten. Bei der Sanierung der östlichen Altstadt nördlich der Steinstraße, die im Zusammenhang mit der Anlage der Durchbruchstraße Mönckebergstraße und dem Bau der Untergrundbahnstrecke zwischen Rathaus und Hauptbahnhof erfolgte, ist daher die alte, "ungesunde" Bebauung ganz beseitigt worden. Dieser Teil der Sanierung wurde in den Jahren 1912 bis 1914 schnell durchgeführt.


In gleicher Weise wollte man bei der Sanierung des Gebiets südlich der Steinstraße vorgehen, da die Unterbringung der bei der Räumung verdrängten Bevölkerung in anderen Stadtteilen damals nicht schwierig war. Der Abbruch der Gebäude und die Herstellung der neuen Straßenanlagen sollte in vier Abschnitten innerhalb von drei Jahren durchgeführt werden.


Bei Beginn des ersten Weltkrieges 1914 war die Niederlegung der Gebäude in dem Gebiet südlich der Niedernstraße durchgeführt. Im nördlichen Gebiet waren noch 1.120 Wohnungen vorhanden. Während des Krieges konnten die Arbeiten nicht fortgesetzt werden, und die schwierigen Verhältnisse in der Nachkriegszeit verhinderten zunächst die weitere Durchführung der Sanierung in dem nördlichen Gebiet. Infolge der Wohnungsnot war es sehr schwierig, die rund 3.900 Menschen, die noch das abzubrechende Gebiet bewohnten, anderweitig unterzubringen. Es mussten zunächst Wohnungen auf der Veddel zwischen der Hamburger und Harburger Chaussee und im nördlichen Barmbek bei der Jarrestraße geschaffen werden, um die Räumung durch Wohnungstausch zu ermöglichen.

(aus: Hamburg und seine Bauten 1929)

Kontorhausviertel vor Rückbau
Kontorhausviertel vor Rückbau
Kontorhausviertel Planung
Kontorhausviertel Planung
Chilehaus und Sprinkenhof I
Chilehaus und Sprinkenhof I
Chilehaus und Sprinkenhof II
Chilehaus und Sprinkenhof II
Rückbau
Rückbau
Erster Bauteil Sprinkenhof
Erster Bauteil Sprinkenhof