Gedenkfeier zur Hamburger Sturmflut 1962 – Museum Elbinsel Wilhelmsburg erstmals zu besichtigen
Um an die Opfer dieser verheerenden Katastrophe zu erinnern, fand auf Einladung des Regionalausschusses Wilhelmsburg/Veddel/Kleiner Grasbrook die jährliche zentrale Gedenkfeier statt – in diesem Jahr zum ersten Mal auf dem Vorplatz des Museums Elbinsel Wilhelmsburg (MEW). Im Anschluss an die Gedenkveranstaltung bestand erstmals die Möglichkeit, Einblicke in die schon weit fortgeschrittenen Sanierungsarbeiten des denkmalgeschützten Gebäudes des MEW zu erhalten. Dieses wurde in den vergangenen Jahren für rund 6 Mio. Euro umfassend instandgesetzt und soll nach Abschluss der Arbeiten zukünftig auch wieder an die Sturmflut von 1962 erinnern.
Dr. Andreas Dressel, Finanz- und Bezirkssenator: „Die verheerende Flutkatastrophe hat sich in das kollektive Gedächtnis unserer Stadt fest eingebrannt. Über 300 Menschen starben, davon allein über 200 in Wilhelmsburg, Zehntausende wurden obdachlos, besonders viele in Wilhelmsburg. Der jährliche Gedenktag hält die Erinnerung an dieses schreckliche Ereignis und die vielen Opfer wach. Und bald werden wir mit dem Museum Elbinsel Wilhelmsburg dann auch einen festen Ort haben, der an die Sturmflut von 1962 erinnert. Alle Beteiligten haben in den vergangenen Jahren intensiv daran gearbeitet, dieses anspruchsvolle Sanierungsprojekt im Volumen von über sechs Millionen Euro erfolgreich zum Abschluss zu bringen. Nach langem Anlauf und einigen Widrigkeiten sind wir nun auf der Zielgeraden. Mit der umfangreichen Modernisierung erhält der historische Bau und das Museum Elbinsel Wilhelmsburg mit seinen engagierten ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine langfristige Perspektive – ein würdiger Ort, um auch an die verheerende Sturmflut von 1962 zu erinnern.“
Martin Sowinski, Geschäftsführer Sprinkenhof: „Der heutige Flutgedenktag mahnt uns, die Erinnerung an die Sturmflut von 1962 lebendig zu halten, aus der Geschichte Verantwortung für die Zukunft abzuleiten und das Gedenken als festen Bestandteil unseres gemeinsamen Erinnerns zu bewahren. Vor diesem Hintergrund freuen wir uns besonders, dass mit Blick auf die geplante Dauerausstellung zur Hamburger Sturmflut von 1962 im MEW die Bautätigkeiten sichtbar voranschreiten und das MEW Schritt für Schritt wieder zu dem Ort wird, der die Geschichte Wilhelmsburgs bewahrt. Die hohen denkmalpflegerischen Anforderungen und die komplexe Bestandssituation erfordern dabei fachliche Expertise auf höchstem Niveau.“
Michael Weinreich, Vorsitzender des Regionalausschusses Wilhelmsburg/Veddel/Kleiner Grasbrook: „Als gebürtiger Wilhelmsburger bin ich mit der Geschichte der Sturmflut von 1962 groß geworden. Wilhelmsburg hatte damals die meisten Opfer zu beklagen und so spielt die Flut in unserem kollektiven Gedächtnis bis heute eine zentrale Rolle – auch weil viele Wilhelmsburgerinnen und Wilhelmsburger die Naturkatastrophe vor nunmehr 64 Jahren selber miterlebt haben. Als Vorsitzender des Regionalausschusses leite ich seit über zehn Jahren die Wilhelmsburger Gedenkveranstaltung, die jährlich am 16. Februar stattfindet. Ich bin sehr glücklich, dass unser Gedenken nun durch die Sanierung des historischen Amtshauses einen dauerhaften und festen Ort im Herzen der Elbinsel erhält. Dies ist ein Ausdruck des Respekts für die Opfer und ihre Hinterbliebenen und eine Würdigung der vielen Helferinnen und Helfern, die damals die Rettung und Versorgung der Opfer unter Einsatz ihres Lebens unterstützt haben. Gleichzeitig wird durch die geplante Dauerausstellung zur Sturmflut auch der Blick in die Zukunft gerichtet und dabei die Wichtigkeit des Deichschutzes sowie die besonderen Gefahren von Natur- und Klimakatastrophen für Wilhelmsburg vermittelt.“
Ralf Neubauer, Bezirksamtsleiter Hamburg-Mitte: „Das Gedenken an die Sturmflut von 1962 ist für uns nicht nur Rückblick, sondern Auftrag. Unser Museum in Wilhelmsburg wird die Ereignisse von 1962 bewusst in den Mittelpunkt stellen. Anschauliche Modelle und interaktiven Stationen erklären, wie es zu der Katastrophe kam und welche Lehren daraus gezogen wurden. So verbinden wir Erinnerung mit Bildung und machen deutlich, wie sehr das Leben in Hamburg seit jeher vom Wasser geprägt ist und wie wichtig verantwortungsvoller Hochwasserschutz auch in Zukunft bleiben wird.“
Gerd Nitzsche, 1. Vorsitzender des Vereins Museum Elbinsel Wilhelmsburg (MEW): „Heute kommen zwei Ereignisse zusammen: Das Gedenken an die vielen Hundert Flutopfer von 1962. Wir werden sie nie vergessen. Darum findet jedes Jahr an dem heutigen Tag diese Gedenkfeier statt. Heute das erste Mal vor dem zukünftigen Museum, in dem dazu eine Ausstellung gestaltet werden soll. Das zweite Ereignis ist die Teil-Fertigstellung unseres Museums. Das Erdgeschoss kann heute das erste Mal im Rohbau besichtigt werden. Der Verein dankt insbesondere zwei Freunden des MEW, die sich sehr verdient gemacht haben, um die Gelder zu beschaffen: Andreas Dressel, der Finanzsenator und dem Bürgerschaftsabgeordneten Michael Weinreich. Natürlich danken wir auch der Sprinkenhof GmbH für die Bauarbeiten.“
Hintergrund
Das ehemalige Wilhelmsburger Amtshaus, heute Sitz des Museum Elbinsel Wilhelmsburg, wurde 1724 auf den Grundmauern eines im Jahr 1620 errichteten Schlosses der Groten, dem ehemaligen Adeligen-Sitzes Stillhorn, erbaut. Das Amtshaus steht seit 1949 unter Denkmalschutz und bildet mit der benachbarten Kreuzkirche, dem Dorfkrug sowie weiteren alten Häusern das Milieuschutzgebiet Kirchdorf.
Das Museum Elbinsel Wilhelmsburg (MEW) wurde im Jahr 1907 gegründet und ist seit mehr als 50 Jahren im Amtshaus untergebracht. Das Museum wird ehrenamtlich vom Museum Elbinsel Wilhelmsburg e. V. betrieben. Darüber hinaus hat die kulturhistorische Einrichtung auch für den Nachwuchs der Region eine hohe Bedeutung, jährlich nutzen viele Schulklassen das Museum im Rahmen der Heimatkunde für verschiedene Führungen und regionale Aktivitäten. Das MEW ist auch ein fester Bestandteil der Kulturszene und veranstaltet regelmäßig kulturelle Veranstaltungen wie z. B. Lesungen, Liederabende und kleine Theaterstücke.


































































































































































































































